MEHRWERTVOLL

Hasan Hüseyin Deveci

Ein Kunstprojekt mit syrischen Flüchtlingskindern

In unserer Welt gibt es viele Grenzen, nicht nur geographisch, sondern auch unsere eigenen, inneren Grenzen. Wer über Grenzen flieht und unfreiwillig seine Heimat verlassen muss, um Zuflucht in der Fremde zu suchen, stößt unweigerlich auf innere Grenzen. Alles verloren, zurück gelassen und doch vollgepackt mit vielen, oft traumatischen Bildern, ist ein neuer Anfang schwer, auch und besonders für die Jüngsten, die Kinder.

Hasan Hüseyin Deveci nutzt die Grenzenlosigkeit der Kunst, um die Selbstheilungskräfte der Kinder zu aktivieren, damit innere Wunden heilen, neue Perspektiven sichtbar werden, Lebensfreude und Träume wieder erwachen. Ein ehrenamtliches, kunsttherapeutisches Projekt, welches seinesgleichen sucht! Ein Mensch, der durch seine Kunst und seine wundervollen Projekte die Welt bewegt und verändert!

Das MEHRWERTVOLL-Interview

Herr Deveci, was ist Ihre Motivation dafür, mit syrischen Flüchtlingskindern zu malen?

Mein persönlicher Migrationshintergrund hat mich besonders für diese Thematik sensibilisiert. Ich musste in den jungen Jahren (mit 22) wegen politischen Gründen meine Heimat verlassen und unter schwierigen Umständen ein neues Zuhause finden. Diese Erfahrungen prägten mein Leben maßgeblich. Als freischaffender Künstler habe ich mich mit Themen wie Heimatlosigkeit, Grenzen, Flucht etc. intensiv auseinander gesetzt und weiß, dass unsere Ängste, Sorgen, Wünsche und Bedürfnisse mit Hilfe von Kunst eine Gestalt oder eine Farbe bekommen können, mit deren Hilfe wir zu mehr Distanz von Erlebtem finden können. Als Künstler und Kunsttherapeut ist es für mich wichtig, Menschen in Notsituationen Möglichkeiten zu schaffen, mit denen Sie ihre Erlebnisse verarbeiten können. Aktuell mache ich das Projekt mit syrischen Flüchtlingskindern, ich kann mir aber genauso gut vorstellen mit anderen Flüchtlingen zu arbeiten. Dafür müssen aber erstmal die Ressourcen geschaffen werden.

Was wollen Sie verändern, bewegen in dieser Welt?

Ich wünsche mir eine Welt, in der Frieden, Toleranz und Gleichberechtigung auf allen Ebenen Hand in Hand gehen. Auch wenn es sehr schwierig ist, unsere heutige Welt zu verändern, glaube ich dennoch daran, dass jeder von uns einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, unsere Welt ein bisschen besser zu machen. Als Künstler bin ich davon überzeugt, dass Kunst dafür einen entscheidenden Beitrag leisten kann. Kunst ist der Blick von innen nach außen. Manchmal trauen wir uns nicht etwas zu sagen, darüber zu sprechen oder aber wir können es nicht, weil wir die Sprache nicht beherrschen. Die Kunst bedarf keiner Sprache und ist universell. Mit Hilfe von Kunst können wir weinen, lachen, schreien, schimpfen, lieben und hassen, und all das, ohne uns schlecht zu fühlen, weil wir es dürfen. Die unbegrenzten Möglichkeiten der Kunst faszinieren mich immer wieder und ich glaube an die verändernde schöpferische Kraft der Kunst.

Was empfinden Sie als „wertvoll“? Worin liegt für Sie der Reichtum dieser Welt?

Wertvoll ist für mich, das Leben mit seiner Fülle und Leere. Die Menschen mit ihren Stärken und Schwächen. Die Kulturen mit ihrer Vielfalt und ihrem Anderssein. Die Natur mit ihrer Unendlichkeit und Grenzen.

Was ist Ihre Vision für die Zukunft?

Meine Vision für die Zukunft ist, mit meiner Kunst eine Veränderung herbeizuführen, ganz gleich, in welche Richtung die Veränderung geht. Stillstand ist der Tod, das wusste bereits Max Frisch.

Wie können wir alle Ihre Projekte unterstützen? Was brauchen Sie?

Ich wünsche es mir, meine Projekte europaweit sogar weltweit machen zu können. Weltweit verlassen Menschen ihre Heimat, verlieren ihre Angehörige, versuchen unter menschenunwürdigen Bedingungen ihr Leben in der Ferne weiter fortzusetzen. Das Ganze geht nicht spurlos an ihnen vorbei, es hinterlässt Wunden, tiefe Wunden, die ohne Unterstützung oft nicht verheilen können. Ich wünsche mir an jedem Ort zu sein, an dem ich diesen bedürftigen Menschen helfen kann. Dafür braucht man natürlich die finanziellen Mittel, um es realisieren zu können.

Was können wir alle gemeinsam tun, um etwas zu bewegen?

Jeder Einzelne kann bei sich anfangen, etwas zu bewegen. Dazu gehört als Erstes zu lernen zu tolerieren. Seinem Kind zu vermitteln, „alle sind anders“ und das ist auch gut so, könnte ein Weg in Richtung Toleranzerziehung gehen. Nicht wegschauen, hinsehen könnte eine weitere wichtige Grundlage in unserer Erziehung sein. Ich denke, dass es wichtig ist, der jüngeren Generation auch die Zusammenhänge unserer Weltgeschehen zu vermitteln, um sie auch für die politischen Ereignisse zu sensibilisieren.

Was wäre Ihr größter, persönlicher Wunsch?

Mein Wunsch wäre, so viele Kunstwerke wie möglich zu verkaufen, um mit dem Geld eine Kunstschule zu gründen, in der Kinder aus ärmeren Verhältnisse die Chance haben, auch kreativ zu sein. Kunst sollte kein Luxus sein, sondern eine Selbstverständlichkeit.

Vielen lieben Dank dafür, dass Sie solche wertvollen Projekte in die Welt bringen und den Kindern damit so viel schenken und helfen!

Milli & Jule

Unsere Projektarbeit mit Hasan Hüseyin Deveci

Foto: Milli Leibfarth

Nach ersten telefonischen Gesprächen besuchten wir Hasan im August dann endlich in seinem Kölner Atelier, welches dem Künstler und Kunsttherapeuten nicht nur als Büro und Kreativwerkstatt für seine eigenen Kunst dient, sondern auch als Projektraum für sein kunsttherapeutisches Arbeiten mit syrischen Flüchtlingskindern.

Es war ein warmes erstes Projekttreffen und persönliches Kennenlernen, lebendig im Austausch von Ideen, zukünftigen Kooperationen und Unterstützungsmöglichkeiten.

So fuhren wir nicht nur mit einem gewonnenen Einblick in Hasans Arbeit, seinen Alltag und in das Projekt nach Berlin zurück, sondern auch mit einem noch besseren Gespür für diese wertvolle Bereitschaft, den Kindern durch kreative Auseinandersetzung eine Art Selbstheilung zu ermöglichen.

Schon als Fotoaufnahme sind die von den Kindern gemalten Kriegsszenen erschütternd. Doch wenn man die Leinwände selbst in der Hand hält und die aus traumatisierten Kinderseelen entstandenen, grausamen Bilder betrachtet, geht der eigene Puls plötzlich etwas schneller und es entfaltet sich ein inneres Unwohlsein. Einmal mehr und eindringlicher wird einem bewusst, was diese Kinder alles gesehen und erlebt haben.

Foto: Milli Leibfarth

Auf unserem ersten Beats for Needs gestalteten wir einen Projektstand mit Präsentations- und Infomaterial und informierten die Konzertgäste in Vertretung für Hasan über seine Arbeit. Die Besucher hatten so die Möglichkeit, ihre Fragen und Anregungen loszuwerden und viele waren von den Bildern sehr bewegt und daran interessiert, sich mit Hasan bezüglich Materialspenden in Verbindung zu setzen.

Hasan arbeitet an vielen wunderbaren Projekten und kann immer Unterstützung von engagierten Menschen gebrauchen, vor allem aus den Bereichen Akquise, Gestaltung von Printmaterialien, Social-Media-Marketing und Öffentlichkeitsarbeit allgemein.

Wir empfinden Hasans selbstlose Arbeit als unglaublich wertvoll und hoffen, ihn dauerhaft bei seiner Arbeit begleiten und unterstützen zu können!