MEHRWERTVOLL

Foto: Eyleen Beetlewood

Streets of Berlin

100% real. 100% unscripted. Schau der Straße ins Gesicht!

Wir alle brauchen Licht in der Dunkelheit, um zu leben, um uns wohl zu fühlen. Wir tragen Licht und Schatten in uns und je nachdem, wie es uns gerade geht, beeinflussen wir Tag für Tag unsere kleine Welt um uns herum.

„Licht“ sein, in dem was wir tun, denken, wie wir handeln, anderen begegnen. Mit einem hellen, offenen Blick durch den Alltag gehen. Wie schnell steuern wir von wahrnehmen und wahrgenommen werden zu „sehen und gesehen werden“, weil es uns so wichtig ist, was andere von uns denken? Wie oft sehen wir nur das, was wir sehen wollen und blenden alles andere aus, weil wir den Kopf voll haben und es uns zu anstrengend ist?

„Licht“ war auch der Titel der Ausgabe der Berliner Straßenzeitung „Straßenfeger“, in der wir auf Omid Mirnour und sein wundervolles Projekt „Streets of Berlin“ stießen. 100% real. 100% unscripted. Schau der Straße ins Gesicht!

Seit 2 Jahren zieht Omid mit seiner Kamera los und gibt den Menschen, die auf der Straße leben, eine Stimme. Berührt und geschockt von der Armut auf den Straßen der Hauptstadt, will er den Menschen Gehör verschaffen und Wahrnehmung schenken, wie wir es uns eigentlich alle wünschen. Weil Berlin nicht immer „arm aber sexy“ ist.

Das MEHRWERTVOLL-Interview

Foto: Milli Leibfarth

Omid, was ist Deine Motivation, seit zwei Jahren ehrenamtlich dieses Projekt durchzuführen?

Als ich Streets of Berlin vor zwei Jahren gegründet habe, wollte ich eine Plattform für die Menschen schaffen, die kaum Anschluss an unsere Gesellschaft haben. Ich fand, dass man sich in Deutschland bisher viel zu wenig medial mit dieser Thematik beschäftigt hat. Deshalb wollte ich eine Plattform gründen, auf welcher die Interviewpartner selbst bestimmen können, worüber sie sprechen und ihre Meinung auch klar sagen dürfen, ohne dass ein Chefredakteur eines Medienunternehmens strikte Vorgaben macht. Daher unser Slogan "100% real. 100% unscripted – Schau der Straße ins Gesicht." Wir schreiben keine Scripts, sondern wollen alles so echt wie möglich einfangen.

Was willst Du verändern, bewegen in dieser Welt?

Im allgemeinen Leben wünsche ich mir mehr Miteinander, anstelle von Hass und Missgunst gegenüber anderen. Zusammen kann man viel mehr erreichen als alleine. Desinformation über einen Menschen ist meines Erachtens nach eines der Hauptmotive für Feindlichkeit gegenüber anderen Personen. Streets of Berlin soll auch als Informationsquelle dienen, um mehr Verständnis über die aktuelle Situation jener Menschen zu wecken, wie zum Beispiel warum die Betroffenen obdachloswurden.

Was empfindest Du als „wertvoll“?

Ich persönlich empfinde es als wertvoll, wenn ich mit meinen Fähigkeiten Menschen helfen oder glücklich machen kann. Jeder hat mindestens eine gute Fähigkeit oder ein besonderes Interesse, welches dafür nutzen sollte, etwas Gutes zu tun. Bei mir ist es das Interesse zu filmen, was ich genutzt habe, um meine Videoplattform „Streets of Berlin“ zu gründen.

Foto: Milli Leibfarth

Wohin möchtest Du mit Deinem Projekt?

Ich habe so viele Ideen, was ich im Rahmen meines Projektes noch machen könnte. Ich will thematisch eine größere Bandbreite anbieten z. B. über Flüchtlinge berichten, über Straßenmusiker, Kinderarmut und andere soziale Themen.

Was ist Deine Vision für die Zukunft?

Es wäre geil, wenn wir in Zukunft wie ein TV Sender agieren und die verschiedensten Formate anbieten könnten: Von Interviews, Dokumentationen und Talkrunden bis hin zu Musikshows oder einem Streets of Berlin-Tagesthemen-Format. Auch habe ich sehr viel Lust im Veranstaltungsbereich tätig zu werden, da kann man auf jeden Fall einige geile „Streets of Berlin“-Eventreihen auf die Beine stellen, die von Ausstellungen bis hin zu Charity-Konzerten reichen.

Wie können wir alle Dein Projekt unterstützen? Was brauchst Du?

Für den Anfang wäre es super, eigenes Equipment zu haben. Es ist sehr aufwendig, sich immer das ganze Filmequipment von anderen zusammenleihen zu müssen. Man wäre viel produktiver und könnte zu jeder Zeit raus und filmen, wenn man gerade Zeit und Lust hat. Ansonsten freue ich mich immer über Leute, die Interesse haben, Streets of Berlin zu unterstützen und aktiv am Projekt teilnehmen. Jeder, der sich bisher bei mir gemeldet hat, wurde ins Team aufgenommen. Ich mag es, wenn Leute ihre eigenen Ideen einbringen und selbständig produktiv sind.

Was können wir und die Gemeinschaft gemeinsam tun, um etwas zu bewegen?

Um etwas zu bewegen, braucht es nicht viel. „Denke gut, rede gut, handle gut.“ Das sind die Grundsäulen der altpersischen Zarathustra-Philosophie. Oftmals reicht es bereits, gute Gedanken zu haben und mit seinen Mitmenschen positiv umzugehen, um etwas zu bewegen. Gerade hier könnten sich viel mehr Menschen sozial beteiligen, um Dinge zu verändern. Und ich rede nicht von Geldspenden, was natürlich auch gut wäre, sondern von einem größeren Interesse für Menschen, denen es schlechter geht als dir. Einfach mal zuhören, anstatt sich in seinem Ego-Tunnel hin und her zu bewegen.

Was wäre Dein größter, persönlicher Wunsch?

Privat ist mein allergrößter Wunsch nach meinem Studium direkt in der Filmbranche arbeiten zu können. Und dazu Streets of Berlin immer weiterzuentwickeln und nach vorne zu bringen.

Wir hoffen sehr, dieses großartige Projekt noch lange begleiten und unterstützen zu können! Omid, Du bist großartig!

Milli & Jule

Unsere Projektarbeit mit Omid Mirnour

Foto: Philip Rohrbeck

Was für uns mit einem Interview, einem Artikel und einem Projektshooting im Regen begann, entwickelte sich mit den Wochen zu einer wertvollen Zusammenarbeit bis hin zur gemeinsamen Feier des Zweijährigen von Streets of Berlin. Wir haben in dieser Zeit viel von Omid gelernt und den Blick wieder ein wenig mehr geschärft, für den Rand der Gesellschaft und für das Wesentliche.

Seit April 2015 durften wir Omid begleiten, von seinen Ideen und Konzepten erfahren und gemeinsam über Möglichkeiten der Umsetzung diskutieren. Als wertvoll empfanden wir vor allem, dass er das Straßenleben authentisch porträtiert, Menschen in Randgruppen eine Stimme bekommen und niemand vorgeführt wird.

Uns war (und ist noch immer) wichtig, Omid zu ermutigen und gemeinsam nach Wegen und Unterstützern zu suchen, denn dieses Projekt kostet ihn viel Kraft, Zeit und Engagement und es ist oft nicht leicht, ehrenamtlich so viel zu bewegen.

Auf unserem ersten Beats for Needs konnte Omid sein zweijähriges Bestehen mit einer Projektpräsentation verbinden und sich den Gästen vorstellen. Wir konnten ihn dort vor allem mit graphischem Präsentations- und Anschauungsmaterial ein wenig helfen. Viele Gäste sind mit ihm ins Gespräch gekommen und haben sich ausführlich über Streets of Berlin informiert. Es ergaben sich einige neue Kontakte, die dieses tolle Projekt zukünftig hoffentlich begleiten werden.

Vor allem in Sachen Öffentlichkeitsarbeit kann jeder Omid auch weiterhin unterstützen, damit seine Projekte noch mehr Aufmerksamkeit erfahren und helfende Hände gefunden werden. Omid braucht Menschen, die sich für die Themen rund um die Straßen Berlins interessieren und mit ihrem Können, Wissen, ihrem Engagement und Herzblut gemeinsam etwas bewegen wollen.

Wir sind sehr glücklich, dass Omid mit der jüngsten Übergabe des Multimedia Sonderpreises „Alles inklusive 2015“ nicht nur Anerkennung für sein Engagement gewann, sondern seinem Wunsch nach eigenem Equipment ein großes Stück näher ist. Wir hoffen, ihn mit seinen Projekten weiter begleiten und unterstützen zu können und wünschen uns und der Welt da draußen, dass Omid nie den Mut verliert, weiterzumachen. Er und seine Arbeit sind so unglaublich wertvoll und ermutigend.