MEHRWERTVOLL

Utopival

Zeit für Veränderung

Wie stellen wir uns eine zukunftsfähige Gesellschaft von morgen vor?

Das junge, achtköpfige Team von „Living Utopia“ fördert durch den Mitmachkongress „Utopival“ den persönlichen Austausch vieler guter Ideen und Ansätze. So kommen 100 Menschen für fünf Tage, vom 3. bis 7. August in Lindlar bei Köln zusammen, um in Workshops über eine zukunftsfähige Gesellschaft zu diskutieren, ganz unter den „Living Utopia“-Motiven „geldfrei, vegan, ökologisch und solidarisch“.

Das MEHRWERTVOLL-Interview

Teammitglied Pia hat uns etwas genauer von ihrer Intention und den Motiven für das „Utopival“ erzählt. Damit wir alle vielleicht einen Anstoß finden darüber nachzudenken und aktiv zu werden!

Liebe Pia, was ist Deine Motivation für das Utopival?

Meine Motivation ist, Vernetzung, Selbstwirksamkeit, Mut und Vertrauen zu schenken! Alternativen in den Diskurs bringen und leben. Menschen zusammenzubringen, die sich gegenseitig inspirieren, um ein Netz der Utopie aus Individuen und Ideen zu spinnen. Meine Motivation ist auch der Wunsch, dass neue Projektideen geboren und verwirklicht werden.

Was willst Du verändern, bewegen in dieser Welt?

Der Drang zur Veränderung kommt bei mir in nahezu allen Lebensbereichen auf, wenn ich mir ansehe, wie diese aktuell organisiert werden. Verändern beziehungsweise überwinden möchte ich demnach sehr viel: Diskriminierung, Hierarchien, Ausbeutung von Lebewesen und der Natur, kurz alles, was Leid verursacht.

Wenn ich den Realitäts-Check mache, mir meine begrenzte Ressource Zeit mit 24 Stunden pro Tag anschaue, leitet mich das über zu jenem, was ich bewegen kann: Ich möchte ein möglichst authentisches Vorbild dafür sein, dass wir unser Miteinander auch anders gestalten können. Ich möchte so gut es geht in allen Lebensbereichen Alternativen für eine sozial-gerechte und zukunftsfähige Welt leben, um diese zum einen in den gesellschaftlichen Diskurs zu bringen und zum anderen Mut und Selbstwirksamkeit zu schenken, zu zeigen: Es geht! Wir können anders leben!

Was empfindest Du als „wertvoll“?

Wenn ich das Wort „wertvoll“ nicht im Sinne der Verwertbarkeit und der Tauschwerte von Produkten ansehe, sondern den Begriff „Wert“, der darin steckt deute als „Werte authentisch leben“, dann fällt mir ein:

  • wertschätzende und konstruktive Kommunikation
  • Achtung der Rechte aller Lebewesen und der Natur
  • wertschätzender Umgang mit Ressourcen und Talenten
  • Menschen, die verschiedene Perspektiven einnehmen, sich selbst reflektieren, sich ihren Privilegien bewusst sind und Verantwortung wahrnehmen
  • Dinge, die mir mit Freude und ohne Erwartung geschenkt werden oder wenn ich selbiges tun kann. Der Leistungsgedanke sowie Gegenleistung erbringen zu müssen, sitzt so tief in uns durch unsere Sozialisation. Wenn wir den Wandel „by design“ und nicht „by desaster“ gestalten möchten, brauchen wir Kooperation, eine auf Teilen basierte Umgangsform, keine Konkurrenz, keine Verwertungslogik. Wenn mir das entgegen gebracht wird, empfinde ich das als wertvoll.
  • Allgemein: die Natur. Sie schenkt so viel Energie. Mich in ihr aufhalten zu dürfen ist ein Geschenk und lässt mich aufatmen.

Was ist Deine Vision für die Zukunft?

Wenn ich mir die Welt ausmale, brauche ich einen großen Eimer an bunten Stiften und auch dann noch merke ich, dass die Farben nicht ausreichen: dass die Welt mit all ihren Lebensrealitäten und -bereichen zu komplex ist, um sie aufs Papier zu bringen. Um einige Skizzen zu beschreiben:

  • Commons, Leih- und Schenkgemeinschaften: Alle habe Zugang zu Allem
  • Es gibt „essbare Städte“ und Obst- und Gemüsegärten sowie Lernorte, Gesundheitsräume, Produktions- und Werkstätten, in denen durch common based peer production Gebrauchsgüter, die nicht vorhanden sind, produziert und anschließend geteilt werden.
  • Wissen und Erfahrung wird bedingungslos geteilt
  • gemeinschaftlich verwaltete Lagerräume für Nahrungsmittel, Möbel, Geräte, Kleidung, Heilmittel, Fahrzeuge und und und …
  • Arbeit- und Leistungszwang verschwinden. Menschen sind sehr unterschiedlich und alle haben Talente, die sie gerne einbringen
  • Menschen sind erfüllt von sinnvollem Tun sowie von Selbstbestimmung und nicht fremdbestimmter Lohnarbeit
  • Das, was scheinbar nicht so beliebt ist und nicht gemacht wird/werden möchte, ist entweder kein Bedürfnis (kann also weggelassen werden), oder wird kollektiv ausgehandelt und geregelt, nach Fähigkeiten und Möglichkeiten, so fair, wie es geht.
  • Der Mensch begreift sich nicht als „Krone der Schöpfung“ und „omnipotenten Herrscher“, sondern als Teil der Welt
  • Die Rechte und Bedürfnisse aller Lebewesen sowie der Natur werden respektiert, das heißt, Menschen sind kein Humankapital, Tiere keine Dinge, die Natur keine Ressource

Wie können wir alle Euer/Dein Projekt unterstützen? Was braucht Ihr?

Wir suchen jederzeit Menschen, die das Netzwerk mit ihren Talenten bereichern möchten. Wir sind da ganz offen – ob Webdesigner/in, Köch/in, Planer/in, Fotograph/in. Jeder ist mit dem eigenen Talent sehr willkommen.

Konkret zum Mitmachkongress utopival: Da dieser ein Mitmachraum für „nur“ 100 Menschen ist, damit es noch ein intensiver, vertrauter Rahmen sein kann, es allerdings 1000 Interessent/innen gibt, möchten wir das utopival dieses Jahr besonders gut dokumentieren. Nach der Idee der Creative Commons möchten wir möglichst viele Inhalte allen interessierten Menschen öffnen, damit diese inspiriert werden, daran weiter denken sowie Ideen entwickeln können.

Wir können also Unterstützung gebrauchen im Verbreiten der Dokumentation, der Podcasts, Fotos und Filme!

Was können wir alle gemeinsam tun, um etwas zu bewegen?

Mut, Vertrauen, Hoffnung, Selbstwirksamkeit bündeln und loslegen. Uns vernetzen, unsere Ideen leben und Alternativen entwickeln. Sich des Status quo bewusst werden, Kritik üben – die Kunst besteht dann darin, in Anbetracht der Katastrophen auf allen Ebenen nicht in Ohnmacht zu ersticken, sondern die Wut und Trauer, die aufkommen, zu bündeln, um diese starken Gefühle zur positiven Transformation in eine leistungs-, herrschafts-, diskriminierungs-, leidfreie, solidarische, zukunftsfähige Welt zu nutzen. In diesem Sinne: Not just talking about utopia, but: living utopia!

Was wäre Euer/Dein größter, persönlicher Wunsch?

Ich bin mir unsicher, ob es den einen Wunsch gibt … Ein mir sehr am Herzen liegender Wunsch ist, dass wir anfangen, an unsere Talente sowie eine gesellschaftliche Veränderung zu glauben, aus unserer Starre erwachen und aktiv werden! Lasst uns loslegen!

Das sehen wir ganz genauso. Ein wundervolles Projekt! MEHRWERTVOLL unterstützt die Regisseurin Gwendolen van der Linde bei ihrem Dokumentarfilm über das Utopival nach Kräften. Wir hoffen, dass dieser Film über diesen ganz besonderen Mitmachkongress sehr viele Menschen erreicht und inspiriert!

Milli & Jule

Unsere Projektarbeit mit Regisseurin Gwendolen van der Linde

Gwendolen van der Linde (Regie) und Raphael Rosenhagen (Kamera), Foto: Milli Leibfarth

Nach unserem Interview mit dem Projektteam von „Living Utopia“ haben wir uns mit der Regisseurin Gwendolen van der Linde getroffen, welche den Mitmachkongress „Utopival“ im August 2015 dokumentarisch begleiten wollte.

Gwen ist ein ganz außergewöhnlicher und wundervoller Mensch. Sie versucht mit sehr wenig Geld zu leben, bewusst auf Konsum zu verzichten und befasst sich in ihren Filmen oft mit gesellschaftskritischen Themen. Ihr Stil ist außergewöhnlich, teilweise auf den ersten Blick befremdlich, aber immer faszinierend. Das bleibt nicht ohne Erfolg. So lief einer ihrer Kurzfilme im Mai 2015 bereits bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes.

Wir konnten Gwen insbesondere bei der Produktion und Realisation des Utopival-Drehs unterstützen. So stellten wir für die Drehwoche unter anderem einen Kameramann, Fahrzeuge und Equipment zur Verfügung. Erste Ausschnitte und Eindrücke hat Gwen dem Utopival-Team bereits für dessen Webseite zur Verfügung gestellt.

Auf unserem ersten Beats for Needs konnte Gwen sich an einem Projektstand mit den Gästen austauschen und über Ihre Grundidee und Intention des Dokumentarfilms sprechen. Aktuell ist der Film noch im Schnitt und wird 2016 hoffentlich seine Festival-Reise antreten, um somit möglichst viele Menschen zu erreichen und zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben und verbundenen Vorstellungen für die Zukunft anregen zu können.